Bürgerwache Crailsheim

Das hat Tradition: Bürgerwehren, Feste und Kapellen

Im Magischen Dreieck wird Brauchtum und Kultur großgeschrieben. In den drei Städten Ellwangen, Crailsheim und Dinkelsbühl gibt es zahlreiche Vereine, Feste, Kapellen, Bürgergarden und -wachen, die auf eine lange Geschichte zurückblicken.

Mit Salutkanone „Gertrud“ beim Crailsheimer Volksfestumzug

Bereits 1637 wird eine bewaffnete Bürgermiliz in Crailsheim urkundlich erwähnt. Doch bis zum Geburtstag der Bürgerwache Crailsheim vergingen noch einige Jahre: Er ist auf den 31. Mai 1830 datiert. Damals ging es mit 60 Mann los, heute verteilen sich um die 120 Mitglieder auf vier Züge. Seit 2008 gibt es eine Jugendgruppe und 2018 entstand das NBO (Nachwuchsorchester Bürgerwache und Onolzheim) in Kooperation mit dem Musikverein Onolzheim.

Wenn die komplette Formation marschiert, führt der Fanfarenzug die Crailsheimer Bürgerwache an. Als Nächstes folgt der Spielmannszug mit Pfeifen und Trommeln mit Lyra. Direkt dahinter marschiert der Musikzug, dessen Blasmusiker ein Repertoire von Marschmusik über Klassik bis hin zu modernen BigBand-Stücken beherrschen. Den Abschluss bildet die Kompanie mit dem Oberst, den Offizieren, dem Hauptfeldwebel und der Mannschaft. Beim Crailsheimer Volksfestumzug schließt ein Pferdegespann mit der Salutkanone „Gertrud“ die Formation.

Auch die Uniform der Bürgerwache blickt auf eine lange Tradition zurück. Der Zweispitz mit Federbusch, der schwarze Waffenrock, grüner Ärmelaufschlag und Kragen sowie die weißen Handschuhe entsprechen dem württembergischen Jägerbataillon um 1870.

Über 100 Knaben musizieren in Dinkelsbühl

In Dinkelsbühl sind hingegen regelmäßig Dreispitze mit Zopfperücken und Rokokouniformen in den Stadtfarben Rot-Weiß zu sehen, und zwar immer, wenn die Knabenkapelle unterwegs ist. Ihre Anfänge reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück. 2018 feierte die Kapelle ihren 150. Geburtstag. Etwa 130 Musiker im Alter von sechs bis 20 Jahren gehören dazu.

Zunächst üben sich die Knaben an der Trommel. Nach etwa eineinhalb Jahren können sie sich ein Blasinstrument aussuchen, wie zum Beispiel Klarinette, Tuba oder Saxofon, oder auf ein Schlagzeug ausweichen.

Über das Jahr verteilt tritt die Knabenkapelle Dinkelsbühl regelmäßig auf heimischem Boden auf. Vier Stammkonzerte und der städtische Festumzug zählen zum Musikprogramm. Hinzu kommen Gastspiele, Wochenendfahrten und Tourneen. Zum Beispiel ging es für die Knabenkapelle Dinkelsbühl im Jahr 2000 in die USA und 2018 nach Kanada.

Die Knabenkapelle musiziert in Dinkelsbühl.

Zehn Tage feiern innerhalb der historischen Mauern

1629 wurde erstmals ein Schulfest in Dinkelsbühl urkundlich erwähnt. Die heutige Kinderzeche gibt es seit 1897. Jedes Jahr feiern zwischen 1.100 und 1.400 Teilnehmer das historische Fest. Am Wochenende vor dem dritten Montag im Juli geht es los bis einschließlich zum Wochenende danach.

Fester Bestandteil sind beispielsweise das Knabenbataillon und die Kinderlore. Die Sprechrolle wird stets für zwei Jahre mit Mädchen im Alter zwischen 14 und 16 Jahren besetzt. Der kleine, reitende Obrist ist ebenfalls immer mit von der Partie. In diesem Fall entscheidet das Los zwischen den besten Drittklässlern in Dinkelsbühl.

Auch für Erwachsene gibt es verschiedene Rollen, unter anderem beim Festzug oder im Schwedenlager, das sich vor den Toren der Altstadt befindet. Im Spitalhof tummeln sich hingegen die Bürger und Torwächter des reichsstädtischen Lagers. Die Charaktere wie Bürgermeister, Syndikus und Ratsherren werden hingegen nur neu besetzt, wenn jemand freiwillig aufhört.

Die Kostüme der Kinderzeche sind dem 17. Jahrhundert nachempfunden. Drei Schneiderinnen arbeiten das ganze Jahr daran, damit sie originalgetreu aussehen.

Mit Trommeln, Gewehren und Pferden durch Ellwangen

Markenzeichen der Ellwanger Bürgergarde sind die rot-blauen Uniformen mit goldenen Knöpfen, weißer Hose, weißem Hemd, schwarzen Stiefeln und Hut. Seit über 60 Jahren repräsentiert die reine Männergarde darin die Stadt Ellwangen zu Fuß und zu Ross. Doch die Geschichte reicht noch weiter zurück.

Bereits um 1439 wurde erstmals eine Schützengilde in der Ellwanger Chronik erwähnt, die zum Michaelsschießen mit der Armbrust einlud. Am 8. September 1756 zogen zwei Offiziere und 40 Mann zu Pferd zum Schloss, um den neuen Fürstpropst Anton Ignaz Graf Fugger von Kirchberg und Weißenhorn abzuholen und feierlich seine Amtseinsetzung zu paradieren. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam die uniformierte Bürgergarde allerdings zum Erliegen, bevor sie im Herbst 1958 neugegründet wurde.

Beispielsweise beim Kalten Markt tritt die komplette Bürgergarde auf. Vorneweg läuft der Spielmannszug mit Bläsern und Trommlern. Dahinter marschieren die zwei Züge der Infanterie mit à 15 Mann, gefolgt von der Kavallerie. Den Schluss bildet die Trachtengruppe, in der auch passive Mitglieder und Frauen mit dabei sind.

Die Bürgergarde feiert zünftig die Ellwanger Heimattage auf dem Schloss.