Die sagenumwobenen Schlösser von Fichtenau

Fichtenau ist auf den ersten Blick vor allem für seine idyllische Natur, kleine Weiler und charmante Ortsteile bekannt. Doch verborgen zwischen Wäldern, Feldern und alten Dorfkernen liegen gleich mehrere historische Schlossanlagen – viele von ihnen heute unscheinbar, aber voller bewegter Geschichte und faszinierender Legenden. Wer sich auf Spurensuche begibt, entdeckt hier ein Stück historisches Fichtenau, das kaum jemand kennt.

Die verschwundenen Schlösser von Fichtenau

Die einstigen Schlösser der Gemeinde verteilen sich auf die Ortsteile Wildenstein, Unterdeufstetten, Bernhardsweiler, Lautenbach und Wäldershub. Auch in Matzenbach existierte im 17. Jahrhundert eine Schlossanlage, von der nach einem Brand nur der südliche Erkerturm – der sogenannte Läuteturm – übrig blieb.

Obwohl einige der Gebäude nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form erhalten sind, lohnt sich der Blick in ihre Geschichte: Adelsgeschlechter, Besitzerwechsel, Kriegszeiten und lokale Legenden prägen die Erzählungen rund um die Schlösser Fichtenaus bis heute.

Spukgeschichten aus Lautenbach und Wildenstein

Schloss Lautenbach – ein Keller, der bebt

Vom ehemaligen Schloss Lautenbach zeugen heute nur noch Mauern und Reste des früheren Grabens. Doch ein Ereignis sorgt bis heute für Gesprächsstoff: Ein Mann soll im gewölbten Schlosskeller gemeinsam mit seinem Hund plötzlich ein heftiges Beben gespürt haben – „nur ein Erdbeben“, hieß es später. Bis heute ranken sich Geschichten über mysteriöse Vorkommnisse um diesen Ort.

Schloss Wildenstein – die weiße Frau und rätselhafte Musik

Im Schloss Wildenstein wurden über die Jahrhunderte vor allem das Archiv des Ritterguts in Mitleidenschaft gezogen – besonders während Kriegs- und Nachkriegsjahren. Zeitzeugen, darunter amerikanische Soldaten, die dort nach dem Zweiten Weltkrieg einquartiert waren, berichteten von einer „weißen Frau“, die ihnen begegnet sei. Später sollen auch ein kleiner Junge sowie unerklärliche Musikklänge aufgetaucht sein. Die Geschichten gehören heute fest zum lokalen Sagenschatz.

Unterdeufstetten und die Legende der Pelzliesel

Das Rittergut Unterdeufstetten wurde im 16. Jahrhundert von der Dinkelsbühler Familie Drechsler übernommen. Erst zur Jarhundertwende wurde jedoch das „Seckendorffsche Schloss“ durch Peter Drechsler II. erbaut. Zahlreiche Besitzerwechsel prägten die Geschichte, bis das Gut 1761 an Baron Christoph Karl Ludwig von Pfeil überging und bis in die 1980er Jahre hinein im Besitz der Familien von Seckendorff blieb.

Doch am bekanntesten ist die Geschichte der Pelzliesel: Zwei Schwestern lebten einst im Schloss – eine blind, die andere habgierig. Statt das Erbe gerecht aufzuteilen, betrog die habgierige Erbin ihre eigene Schwester um die Goldmünzen. Seitdem soll die betrogene Schwester, die „Pelzliesel“, als ruhelose Seele mit einem Licht über die Schlossbrücke wandeln. Wer nachts genau hinhört, soll sogar das Klimpern der Münzen im Keller hören. Die Bewohner sagen dann: „Das Pelzliesel irrt umher und findet keine Ruhe.“

Um das Schloss Unterdeufstetten ranken sich zahlreiche Sagen und Legenden.

Weitere Schlösser in Fichtenau

Wasserschloss Bernhardsweiler

  • Entstanden im 15./16. Jahrhundert unter der Familie Goldoch
  • Ca. 1540 Verkauf an Markgraf Georg von Brandenburg
  • Ab 1573 zahlreiche Besitzerwechsel zwischen Brandenburg, Preußen, Bayern und Württemberg

Schloss Wäldershub

  • Ab ca. 1500 im Besitz der Patrizierfamilie Berlin von Dinkelsbühl
  • Im 17. Jahrhundert häufige Besitzerwechsel, u. a. die Reichsstadt Dinkelsbühl
  • Zweiter Weltkrieg: US-Soldaten nutzten die Wetterfahne als Zielscheibe für Schießübungen
  • Kalter Krieg: Das ehemalige Wirtshaus diente zeitweise als kleines „Kino“ für die Wochenschau

Schlösser und Burgen im Magischen Dreieck

Aber auch zwischen Ellwangen, Crailsheim und Dinkelsbühl – dem Magischen Dreieck – warten weitere beeindruckende historische Anlagen:

Schloss ob Ellwangen

Highlights: Schlosskapelle, Thron von Ellwangen, Appartement der Fürstpröpste

Ellwangens Wahrzeichen: das Schloss über der Stadt.

Deutschordensschloss Dinkelsbühl

Seinen Ursprung hat das Deutschordensschloss im Spätmittelalter, wobei es die heutige Form größtenteils im 18. Jahrhundert erhielt. Das im Barock-Stil errichtete Schloss in Dinkelsbühl befindet sich im Südwesten der Altstadt und besticht mit zahlreichen historischen Details und einer integrierten Kapelle samt kunstvoller Stuckdekoration.

Highlights: Rokokokapelle, kunstvolle Rocaille-Kartusche im Giebeldreieck

Schlösser in der Umgebung – immer einen Ausflug wert

Auch außerhalb des Magischen Dreiecks laden verschiedene Schlösser zu Kultur, Geschichte und herrlichen Ausblicken ein. Darunter zum Beispiel:

  • Schloss Kapfenburg
  • Schloss Hohenstadt
  • Schloss Fachsenfeld
  • Schloss Baldern

Fotos: Städte und Gemeinden (Fichtenau, Ellwangen)